Politiker und das Internet – eine (un)endliche Geschichte
Was musste ich in den letzten Tagen nicht alles lesen. Unsere allseits geliebte Ilse Aigner hat mal wieder ihre Kompetenz in Sachen weltweites Netz zur Schau gestellt und Facebook als "weltweites Einwohnermeldeamt" verglichen, in dem Nutzer nicht Herr ihrer Daten wären. Zuvor gegangen war der Fall eines Psychotherapeuten, dessen Patienten sich über gegenseitige Freundschaftsvorschläge gewundert hätten. Dies könnte zum Beispiel passiert sein, weil mehrere Patienten ihre Adressbücher mit Facebook synchronisiert haben und alle als Kontakt auch den Psychotherapeuten gespeichert hatten. Unbestritten ist, dass Facebook lax mit den Daten der eigenen Benutzer umgeht. Es liegt aber immernoch in der Hand der Benutzer, welche Daten Facebook überhaupt zu Verfügung gestellt werden.
Fast noch schockierender sind die Äußerungen des Bund Deutscher Kriminalbeamter. Dessen Vorsitzender Klaus Jansen bezeichnete das Internet als "größten Tatort der Welt" und beschrieb dessen Zerstörungskraft mit jener von Atomwaffen. Anschließend wurde sogar ein Reset-Knopf für das Internet gefordert, mit dem das Kanzleramt Deutschland sofort vom Netz trennen könnte. Oder ganz frisch von heute: Beate Merk von der CSU macht die schon oft gescholtenen so genannten "Killerspiele" für die traurigen Gewaltexzesse unter Jugendlichen auf Ameland verantwortlich. In diesen könne man "Gewalt üben". Wenigstens nennt sie dann ein wenig später doch auch noch die Eltern als Problem, die oft keinerlei Interesse daran hätten, wofür ihre Kinder das Internet nutzten.
Das sind nur wenige, traurige Beispiele dafür, wie wenig die aktuelle Politikergeneration mit dem Medium Internet anfangen kann - und wie wenig sie es überhaupt versteht. Hier wäre eine ganz neue Auseinandersetzung mit dem Internet erforderlich, und nicht nur eine Berufung auf das alte Dogma, das Internet sei von Grund auf böse, von ein paar wenigen Ausnahmen einmal abgesehen. Da kann man nur hoffen, dass sich bei der Aufklärung in der Politik zu diesem Thema doch noch was tut - oder auf den Politikernachwuchs warten, der mit dem Medium aufgewachsen und damit auch etwas vertrauter damit ist.